Donnerstag, 27. August 2009

nix los dies Jahr ...

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Meine allerliebste Allerliebste!

Nun ja, Du hast schon recht, dass wir uns dies Jahr recht wenig noch in den Armen lagen. Vielleicht weil ich meine Prioritäten nicht im Griff habe? Oder auch weil Kontinentalplatten und Weltmeere es uns nicht wirklich einfacher machen? Als bekennender Egoist nehme ich mal letzteres als Wurzel allen Übels an.

Aber trotzdem waren wir bis jetzt recht aktiv > siehe kleine Auswahl am linken Blog-Rand! Wir waren viel mit guten Freunden unterwegs, viel auch mit den Kids, und sind dem ein oder anderen kulinarischen Motiv verfallen. Lass' uns die vielen schönen Stunden in guter Erinnerung halten, sie sind zu wertvoll um im Fotoalbum zu verstauben, und zu schnell verliert man sie hinter der Krümmung von Raum und Zeit aus dem Blickfeld.

Lass' uns neue Pläne schmieden: Wie war das nochmal mit der Bergalm? Wann erwartet und Martha am "L'étoile du nord"? Und wie kommen wir an Lang Lang heran?

Love

Sepp

Dienstag, 25. August 2009

Über Sprache und Ausdruck

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Wenn einer nicht viel spricht, heißt das noch lange nicht, dass er nichts zu sagen hat!

Hier zum Beispiel haben wir ein vielsagendes Bild einer Amphibie, genauer gesagt eines Frosches:



Und um sogar ganz genau zu sein, handelt es sich um einen französischen Frosch aus dem Departement Korsika Süd. Soweit man annehmen kann, sitzt dieser in klassischer Froschhaltung auf dem sprichwörtlichen Seerosenblatt und - ist stumm (weil er sich beobachtet wähnt, womit er ja recht haben könnte).

Trotzdem können wir unterstellen, dass der Frosch, wenn er denn sein Froschmaul aufsperren und sich zu einer Äußerung bequemen, einen froschähnlichen Ton von sich geben würde, etwa "Quaak". Weil wir weiterhin weltoffen und lebenserfahren sind, könnte diese Lautäußerung noch mit einer französichen Klangfärbung verbunden sein, also etwa "la grenouille dit passionnément oui". Schwieriger wird es an der Stelle, wo der stolze Korse durchbricht und sich auf seine Froschschenkel stützend gegen jegliche Coleur eines Festlandeinflusses laut protestierend den Insulaner hervorkehrt.

Weiters kann man aus der sprungbereiten Haltung des Frosches schließen, dass er wohl unmittelbar nach dieser Aufnahme in hohem Bogen in's kühle Nass irgendwo in der unsichtbaren Dunkelheit vor ihm entflohen ist (die Aufnahme entstand am 23. Juli d.J. um 20:34 Uhr).

Warum er wohl das Weite gesucht hat, lässt sich leicht zusammenreimen: der Frosch, in Erwartung einer sinnlichen Begegnung (mit einer Fröschin?) sieht sich unversehens von Blitzlicht geblendet, von einem Objektiv verfolgt, und dahinter eine hässliche Riesengestalt, bei welcher es sich im besten Fall um ein verzaubertes Froschwesen in Menschenformat handelt, welches nur durch den Verzehr eines halben Kilos schmackhafter Maden auf einen Satz wieder in seine schöne Froschform zurückverwandelt werden kann.

Könnte aber auch sein, dass er sitzen blieb, in Erwartung noch schlimmerer Ereignisse, wohl wissend, dass er das unselige und unweigerlich nächste Glied in einer langen Reihe von Vendetta Rachemorden werden würde, weil sein UrUrUrgroßneffe mütterlicherseits zur Unzeit eine Stubenfliege verspeiste, just in dem Moment als ein volltrunkener Seeräuber diese erschlagen wollte, und dadurch versehentlich den Nebenfrosch aus der Nachbarschaft getroffen hat.

Und all das haben wir erfahren, noch bevor der Frosch auch nur ein einziges mal mit der Wimper gezuckt, geschweige denn auch nur den leisesten Ton von sich gegeben hat.

Das meinte ich mit "Sprache und Ausdruck".

Sepp

Ljudmila schrieb ...

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eine ganz liebe Antwort auf mein Brieflein, und hat dieses ganz und gar nicht als Obsönität aufgefasst, sondern als eindeutig zweideutige Manöverkritik:

Das mit den Hemdkrägen tue ihr leid, liege aber wohl auch daran, dass es in meinem (gemieteten) Kleiderschrank an und ab etwas eng zugehe, und auch nicht ausreichend Kleiderhaken zur Verfügung stünden (auf Manager-Hochdeutsch: eindeutig Rückdelegation!)

Außerdem seien die weißen Hemden ohnehin schwer sauber zu bekommen, mangels Qualität des Waschmittels, was bei bunten Hemden nicht weiter auffiele, weil diese eben genau so bunt wären wie die diversen verbleibenden Ränder und Flecke. Es sei daher dringend anzuraten, doch zu "Vanish Oxi Action" zu greifen, welches zwar sauteuer sei, aber keinen Wunsch nach Sauberkeit offen ließe (Kostenpunkt: 120 Hrywna, also etwa 10 Euro; da sage noch einer, Werbung würde nicht wirken!)

Und wenn wir schon eben dabei wären so frei von der Leber weg zu plaudern, dünke es sie mir gleich auch mitteilen zu müssen, dass der Wischmob in die ewigen Wisch- respektive Mobgründe eingegangen sei, und ob es denn angemessen wäre und meine Zustimmung fände, einen neuen ebensolchen zu beschaffen.

Jegliche allenfalls verursachte Unannehmlichkeit täte ihr außerordentlich leid, aber so sei das nun mal eben.

Ich erkläre mich spontan mit sämtlichen Vorschlägen zur Verbesserung der Haushaltsführung in qualitativer Hinsicht vorbehaltlos einverstanden, und hinterlege schon mal eine größere Summe Geldes, harrend der Dinge, die sich da nun zum Besseren wenden mögen ...


Frühstück von heute morgen, nachdem ich etwa um halb vier Uhr ohne Grund aufgewacht war, und mich bis zum Morgengrauen mit Seneca beschäftigt habe:



Zwei mal Ciabatta, feste mit Butter bestrichen, einmal mit Käse und halbierten weißen Weintrauben belegt, und einmal mit Anchovis, die eigentlich seltener zum direkten Verzehr empfohlen werden, aber sich auf dieser Unterlage wunderbar ausnehmen. Dazu eine überreife Minitomate.

Begleitung: eine gute Tasse Tee, Marke "Greenfield - Spring Melody", eine zarte Frühlingsmischung diverser Schwarzteesorten, so gar nicht passend zur Jahreszeit, da es um und um schon merklich zu herbsteln beginnt, und die Kastanien schon ihre braunen und gelben Blätter abzuwerfen sich anschicken. Aber schmecken tut sie allemal, die Spring Melody.

Hernach, das muss auch gesagt werden, hatte ich noch Muße genug, eine alte. lieb gewonnene Krawatte, die ich seit Monaten nicht mehr getragen habe, weil das hintere Schlauferl einseitig sich abgelöst hatte (man konnte also das dünne Ende der gebundenen Krawatte nicht mehr hinter dem breiten Ende fixieren), zu nähen, und diese somit wieder tragfähig hinzukriegen.

Von anderen Schicksalsschlägen mal abgesehen, also ein recht gelungener Tag!

Sepp

Montag, 24. August 2009

Independence Day

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Am 24. August 1991 erlangte die Ukraine ihre Unabhängigkeit von der Sowjetunion, feiert also heuer den 18. Jahrestag dieses Ereignisses. Auf Kreschatik fand aus diesem Anlaß eine große Parade aller Waffengattungen statt.

Leider war der Ort des Geschehens so weitläufig abgeriegelt, dass ich mit der Kamera in keine vernünftige Perspektive kommen konnte. Vermutlich ging irgendwo in der Gegend der Präsident oder die Premierministerin oder gar beide um, so dass es wohl gut war nicht nährer d'ran zu sein, um nicht von den Funken, welche zwischen den beiden ständig sprühen, in Brand gesetzt zu werden.

Der Bildausschnitt unten stammt von der Aufstellung, etwa eine Stunde vor der Parade (9 Uhr Vormittag Kyiver Zeit). Es handelt sich wohl um eine Marineeinheit (denn sie machen einen eher verunsicherten Eindruck, da weder Wasser noch Fregatte in erreichbarer Nähe zu sein scheinen).




Also habe ich nach mehrmaligen, erfolglosen Versuchen, durch die Absperrung zu kommen, der Parade den Rücken gekehrt, und mich pflichtbewußt auf den Weg in's Büro gemacht.

Da ich dort heute der einzige war, ist es mir endlich gelungen, meine Siedlungskartons endgültig auszuräumen. Damit bin ich dann haarschaft an einem anderen Jahrestag vorbeigeschrammt: wir sind im Oktober 2008 von Fizkultury nach Kolektorna übersiedelt, und es hat nichteinmal ein Jahr gedauert, bis ich wieder alle Unterlagen sortiert hatte! (daraufhin genehmige ich mir heute ein Glas Rotwein und einen Saunagang)

Was die Philosophie anbelangt, so bin ich heute bei Seneca gelandet: "Von der Kürze des Lebens". Irgendwie denke ich am richtigen Weg zu sein, was die Literaturauswahl betrifft.

Am Holzweg dagegen bin ich mit meinen Sprachkenntnissen:

Habe eine übesetzte Nachricht für Ljudmila hinterlassen: "Obacht beim Hemden bügeln! So mancher Kragen ist nachtragend, was ich hernach beim Tragen auszubügeln habe!" (ist auf Deutsch ein schönes Wortspiel, auf Russisch möglicherweise eine Obszönität)

Als ich am Abend in die Wohnung zurückkehrte, fand ich eine seitenlange Entgegnung meiner lieben Haushälterin vor, auf Kyrillisch versteht sich. Werde darüber berichten, sobald ich jemanden gefunden habe, der sich das zu übersetzen traut.

Kulinarisch nix Neues: Restlessen nach einem verlängerten Wochenende (heute war ja Feiertag), also diverse Gemüse wie Champignons, rote Paprika, Zwiebeln u.s.w. leicht angebraten und schlussendlich mit Käsescheiben belegt und im Backrohr bei voller Glut (nennt man das so?) gratiniert. Freilich nicht ohne vorher etwas Olivenöl und Salz dranzugeben.

Sepp

Freitag, 21. August 2009

Philosophie & Leidenschaft

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Auch wenn es verwundern mag: nach meinem bisherigen, erst kurz weilenden Studium der Philosophie habe ich festgestellt, dass diese recht viel mit Leidenschaft zu tu'n zu haben scheint. Erst der Disput zwischen verschiedenen Denkrichtungen hat so manche Glut entfacht, und zu Höchstleistungen in Rede und Gegenrede angespornt. Der Acker der Philosophen war und ist zudem das pure Leben, also Leidenschaft in all ihren Facetten.

Ein recht schönes Bild hiervon liefert Voltaire in seinem "Candid", welcher zu Beginn seiner Geschichte vom Schlosse vertrieben wird, da seine Liebe zu Kunigunde, der Tochter des Barons zu sprießen beginnt, die ihn forthin durch seine weitere Lebensgeschichte begleiten und steter Antrieb sein wird.

Eine Stelle daraus, die mir besonders gefällt (aus dem 14. Kapitel, "Wie Candid und Cacambo bei den Jesuiten in Paraguay empfangen wurden"):

Candid muss aus Buenos Aires fliehen, und seine verehrte Kunigunde dort in der Gewalt des Statthalters zurücklassen. In seiner Klage darüber versucht sein Gefährte Cacambo ihn zu beruhigen mit den Worten:


"Sie wird den Mantel nach dem Winde drehen, ..., Frauen sind niemals in Verlegenheit; für sie sorgt der liebe Gott; schnell, schnell."


Naja, ich gebe schon zu, das ist ohne die ganze Geschichte drum herum etwas dünn, aber es sei niemand davon abgehalten, das ganz Büchlein zu lesen, falls er es noch nicht getan hat. Ist der schöne Versuch einer Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens. Vielleicht sogar der einzig erfolgreiche?

Jedenfalls bin ich in philosophischen Dingen nichts weiter als ein armseliger Student, aber trotzdem der Leidenschaft unumkehrbar anheimgefallen. Und hier ist sie, meine Leidenschaft:






Menüvorschlag gibt es heute keinen, denn Liebe begehrt zwar, ist aber durch das herrlichste Festmahl nicht zu stillen. Daher bleibt die Küche in Kyiv heute kalt, ich blättere lieber in alten Fotoalben. (um ganz ehrlich, aber weniger romantisch zu sein, ich scanne die Festplatte nach JPG's meiner Leidenschaft durch)


Sepp

Montag, 17. August 2009

Almrausch-Rätsel

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An dieser Stelle sind die Geheimagenten unter uns gefordert. Möglicherweise auch die alpinen Kombinierer oder ganz-genau-Hingucker:


Das 1. Bild wurde am 15. August 2009, etwa 11 Uhr Vormittags aufgenommen. Insider mögen im Hintergrund den Vorderen Gosausee vermuten (haha, das war ein höchst philosophischer Wortwitz), was aber nichts zur Sache tut. Vielmehr sei festgehalten, dass hier - nebst anderen - zwei höchst sportliche und womöglich angesehene Mitglieder des Alpenvereins, Sektion Salzburg abgelichtet sind. Blickwinkel der Aufnahme - grob geschätzt - etwa von Nord nach Süd.




Das 2. Bild aber wurde nur einen Tag später, am 16. August 2009, ebenfalls um etwa 11 Uhr am Vormittag aufgenommen, nahezu an derselben Stelle, nur diesmal eher von Süd nach Nord fokussiert (daher weder im Hinter- noch im Vordergrund der vermutliche Vordere (oder auch Hintere) Gosausee). Das Unfassbare aber ist, dass nun fünf ehrbare Mitglieder des Alpenvereins, abermals Sektion Salzburg zu sehen sind, obwohl es sich bei genauerer Betrachtung im dieselben Leutchen zu handeln scheint.




WAS IST DA PASSIERT?


Bevor wir das Geheimnis lüften, sollte der geneigte Leser seine Großhirnrinde bemühen, und zumindest eine Thorie aufstellen. (Auflösung daher frühestens im nächsten Post, Kommentare herzlich willkommen; unflätige Wörter darf jeder für sich behalten)

Vorerst der heutige Menüvorschlag, welcher gleichzeitig als dezenter Hinweis verstanden werden könnte: Kaiserschmarrn mit Zwetschgenröster

Zubereitung: bei der Wirtin der Gablonzer Hütte auf 1.550 m Seehöhe bestellen, da in dieser Höhe jeglicher eigene Kochversuch selbstverständlich und sowieso zum kläglichen Scheitern verurteilt ist. Was der kulinarsich beschlagene Alpinist, auf selber kochen bestehend hier äußerstenfalls zuwege brächte, wäre ein durch Rauchschwaden ausgelöster Einsatz der Bergrettung samt Hundestaffel und Helikopter. Daher: vertraue immer deiner Wirtin!

Getränkeempfehlung (sehr zu empfehlen):

Vorher: Zirbenschnaps (liebevoll auch "Zirberl" genannt)

Dazu: Zirbenschnaps (an dieser Stelle auch "no oan" genannt)

Nachher: Zirbenschnaps (es genügt ein einfacher Wink, Worte überflüssig)



Sepp

Dienstag, 4. August 2009

Das Liebeslied

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Ein Dichter schrieb einmal ein Liebeslied, und es war wunderschön. Er fertigte davon viele Abschriften an und sandte sie seinen Freunden und Bekannten, männlich wie weiblich, und sogar einer jungen Frau, der er nur ein einziges Mal begegnet war und die jenseits der Berge lebte.

Und ein, zwei Tage darauf kam ein Bote von der jungen Frau und überbrachte ihm einen Brief. Darin schrieb sie: "Seid versichert, das Liebeslied, das Ihr für mich geschrieben, hat mich tief berührt. Kommt sofort und sprecht mit meinen Eltern, und wir wollen unsere Verlobung ausrichten."

Der Dichter beantwortete den Brief und schrieb der Frau: "Meine Freundin, das war nur ein Liebeslied aus einem Dichterherzen, von jedem Mann für jede Frau gesungen."

Und sie schrieb ihm abermals und sagte: "Heuchlerischer Lügner! Von diesem Tag an, bis ich zur Grube fahre, werde ich um Euretwillen alle Dichter hassen!"


aus "Der Wanderer" von Khalil Gibran


Das war eine der ersten Geschichten, über welche ich zu Beginn meiner "philosophischen Phase" gestolpert bin.

Muss man da nicht einfach dem Genre verfallen? Ist das nicht ein wunderbares Bild von der Unterschiedlichkeit persönlicher "Wahr-"nehmung ein und derselben Wahrheit? Dafür, womit wir täglich zu tu'n haben?

Könnten wir uns nicht jede Menge Management-, Gruppendynamik-, Konfliktlösungs- und Kommunikationsseminare sparen, wenn wir nur diese Zeilen aufmerksam läsen und verinnerlichten? Weil's eben "menschelt"?


"Mein Team" am Beginn eines zweitägigen Outdoor Team-Buliding am 31. Juli 2009 in einem Wald nordwestlich von Kyiv. Ein Haufen Leutchen, die mir verdammt am Herzen liegen ...



Sepp

Montag, 3. August 2009

Schopenhauer & Ljudmila

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Mir ist heute folgendes aufgefallen: Schopenhauer kennt (fast) jeder, Lyudmila aber kaum jemand.

Das liegt daran, dass Mila meine Haushälterin ist, die einmal die Woche dafür sorgt, dass mein Singlehaushalt nicht wie ein solcher aussieht, alles gewaschen und gebügelt und feinsäuberlich geordnet und aufgeräumt ist.

An dieser Stelle ist mir noch etwas aufgefallen: jeden Freitag oder Montag Morgen, also kurz bevor Mila ihres Amtes waltet, überkommt mich selbst die Ordnungsliebe, ich spüle alles Geschirr der letzten Woche ab, räume auf, putze meine Schuhe, trage den Müll raus, und sortiere im Kühlschrank alles aus, was dort Eigenleben zu entwickeln beginnt.

Wie passen diese Feststellungen zusammen? Ganz einfach: Mila ist nicht nur meine Haushälterin, sondern auch eine Respektsperson, welcher zu beweisen wäre, dass sie für einen aufrichtigen, braven Kerl schwarz arbeitet, und nicht für einen hergelaufenen Schlendrian. Auf den Punkt gebracht ließe sich auch sagen, dass obiger Nachweis erbracht wäre, sobald die Putze völlig umsonst angestellt ist, weil man kurz vor Ihrem Erscheinen ja schon jegliche Hausarbeit selbst erledigt hat. Freilich ist schwerlich zu beantworten, was dieser Fimmel bei der armen Mila selbst auslöst. Da stünden einmal (nebst anderen) zur Auswahl:

"Mein Chef ist ein Trottel: Er zahlt mir jede Woche für nichts ein schönes Gehalt, und macht dann die ganze Arbeit doch selbst. Hoffentlich hält dieser Zustand hellen Wahnsinns noch lange an."

"Mein Chef hält mich für armselig und unfähig: Obwohl ich mich jede Woche um alles und jedes zu kümmern bereit bin, macht er doch vorher alles selber. Er denkt, ich würde das nicht halb so gut hinkriegen. Ich bin tief gekränkt und werde dem Schuft bald alles hinschmeißen."

"Mein Chef ist ein wahrlich ordentlicher Bursche: Kein Krümelchen liegt herum, die Schuhe sind stets geputzt, das Geschirr abgewaschen. Wenn ich da ein meinen Ljubomir zuhause denke, befällt mich gleich der blanke Zorn."

Menüvorschlag für heute: Vareniki mit Pilzfüllung (geht schnell, schmeckt gut)

Vareniki ist ein Ukrainisches Nationalgericht: Teigtaschen mit verschiedenen Füllungen, vergleichbar etwa den Italienischen Tortellini, nur besser. Diese Speise wurde schon im Roman "12 Stühle" von Ilja Ilf und Jevgeniy Petrow an entscheidender Stelle erwähnt, als eine der Romanfiguren seine Gattin bittet, ihm keine Vareniki ins Gefängnis zu bringen, weil diese in kaltem Zustand scheußlich schmecken würden (auch zu empfehlen; das Buch meine ich;).

Zubereitung ist einfach: man nehme aus dem Tiefkühlfach die zuvor im Supermarkt gekaufte Tüte Fertig-Vareniki mit Pilzfüllung, werfe deren Inhalt für 10 Minuten in einen Topf mit kochendem Wasser (leicht gesalzen, etwas Öl beigeben). Dann abseihen - und fertig. Ein wahrer Genuss wird es, wenn man daneben in etwas Butter Zwiebelringe goldbraun Röstet, und beides, also Butter und Zwiebeln, über die fertigen Vareniki drapiert. Schmeckt echt krass.

Dazu eine Flasche Slavutich Bier aus der Flasche: einfach unschlagbar!

Und damit sind wir wieder bei Schopenhauer angelangt. Der war nämlich der Ansicht, die bei näherer Betrachtung gar nicht so weit hergeholt erscheint, dass das Dasein ein zweifelhaftes Vergnügen, oder besser gesagt eine einzige Qual sei. Das erkennt man aus seinem gesamten Werk, und erahnt man aus kleinsten Zitaten, wie zum Beispiel:

"Das Leben stellt sich dar als ein fortgesetzter Betrug, im Kleinen, wie im Großen."

oder

"Dass Tage unseres Lebens glücklich waren, merken wir erst, nachdem sie unglücklichen Platz gemacht haben."

Wenn man Arthur S.´s Überlegungen nur ansatzweise ernst nehmen würde, bliebe als eine der wenigen Möglichkeiten über die Runden zu kommen, zum Asketen zu werden.

Daraus folgt, dass jeglichem sinnlichen Genuss, wie etwa auch in stundenlanger, liebe- und mühevoller Arbeit zubereitete Gaumenfreuden, zu entsagen wäre. Demnach kann man auch gleich Vareniki aus der Tiefkühlabteilung zu Tische tragen.

Da ist dann nix dran herumzumäkeln, oder?

Sepp

Sonntag, 2. August 2009

Äsop & Gemüsesuppe mit Shrimps

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Nachdem ich den heutigen Vormittag der finalen Lektüre der Äsopschen Fabelsammlung (Ausgabe Reclam, Griechisch/Deutsch) gewidmet habe, war für ein aufwändiges Sonntagsmenü keine Zeit mehr übrig, zumal ich ja auch noch einkaufen gehen musste (ja, hier haben die allermeisten Geschäfte auch am Sonntag geöffnet, sehr, sehr praktisch).

Natürlich habe ich die Fabeln nur auf Deutsch gelesen, da ich des Griechischen gar nicht mächtig bin. Spannend war das Nachwort des Verfassers, in welchem sich herausstellt, dass die Fabeln des Äsop möglicherweise gar nicht von Äsop stammen, ja es selbigen möglicherweise so gar nicht gegeben hat. Wie dem auch sei, schöne, einfache, moraltriefende Geschichten, die im Kern so einige 500 Jahre vor Chr. entstanden sein dürften, und vielfach bis heute aktuell sind. Lange Rede kurzer Sinn: Hund' worn's scho, de Griech'n!

Heute dann jedenfalls nur kleine Küche, nämlich Gemüsesuppe mit Schrimps, und zwar voll imporvisiert:

> 3 Karotten, ungeschält, je in 3-4 Teile zerkleinert
> 2 kleine Kartoffeln, geschält, geviertelt
> 1 ordentliche Zwiebel, geschält, geviertelt
> etwas Grün vom Lauch (etwa eine Hand voll)
> etwas von der Fenchelknolle (wenig, klein geschnitten)
> etwas vom Krautkopf (war grad mal da)

Das Ganze in einen Topf mit einem halben Liter Wasser (hier: Bonaqua aus der Flasche, da ich dem Leitungswasser nichtmal abgekocht vertrauen würde) kochen, etwa eine Dreiviertelstunde lang. Gleich am Anfang natürlich dazugeben: ein kleines Häufchen Pfefferkörner (ganze) und ein kleines Häufchen Meersalz (grobes).

Irgendwann mittendrin einen Schuss Weißwein dazugeben (würde sagen etwa ein Achtelliter; ich hab' mal Casillero del Diablo (aus Chile) genommen, aus Verlegenheit, weil nix anderes da war).

Irgendwann gegen Ende (etwa 10 Min. vor Schluss) dann einige Löffel Smetana (das ist so eine Art russischer Creme Fraiche) rein, und die Shrimps in beliebiger Menge (ich habe 250g Litauischer Shrimps genommen, die hat mir eine Regalverkäuferin promotet (auf Deutsch: angedreht), auf Russisch versteht sich; da ich nix verstanden habe, habe ich welche gekauft; sind aber eh gut ;-).

Zwischendrin natürlich manchmal umrühren. Sobald die Shrimps gar sind (eben nachdem sie ca. 10 Minuten mitgekocht wurden) ist die Sache auch schon fertig. Dann verspeisen, evtl. mit einem Scheibchen Ciabatta dazu, und wenn der Weißwein kühl ist, darf man sich schon ein begleitendes Gläschen genehmigen. Zumindest schadet das nicht.

Schönheitspreis gewinnt das Süppchen wohl keinen, aber schmecken tut's gut (ähnlich wie beim Zaubertrank des Miraculix).

Um im weitesten Sinne mit Äsop zu sprechen, wage ich folgendes Zitat:

Der Pfau und die Dohle

Als die Vögel über die Königsherrschaft beratschlagten,
verlangte der Pfau, wegen seiner Schönheit zum König ge-
macht zu werden. Da die Vögel sich nun dazu anschick-
ten, sagte die Dohle: "Aber wenn uns unter deiner Herr-
schaft der Adler verfolgt, wie willst Du uns verteidigen?"

Moral (hier meine abgewandelte Formulierung):

Eine Suppe, die gut aussieht, aber nicht gut schmeckt, ist ziemlich umsonst!


Wenn's denn Äsop überhaupt gegeben hat, so möge er mir verzeihen, weiterhin friedlich in seinem Grabe in Delphi (wo er wohl gemeuchelt wurde) ruhen, und sich nicht in selbigem umdrehen.

Danach - das gebe ich zu - bin ich noch im Büro gewesen, und habe ein Schreiben an alle meine Kunden formuliert, um mit ihnen die freudige Nachricht zu teilen, dass wir im ersten Halbjahr 2009 zum größten Kfz-Leasingfinanzierer in Ukraine geworden sind! Und, kaum zu glauben, das ging mir recht leicht von der Hand ...


Sepp